[ § 00 ] — Blog · Installation

Verlegearten.A–G und Strombelastbarkeit.

Referenzverlegearten · I_z · Häufung

Die Verlegeart bestimmt, wie gut eine Leitung Wärme abgibt — und damit, wie viel Strom sie dauerhaft tragen darf. Dieser Leitfaden zeigt die Referenzverlegearten A–G mit Belastbarkeit und Reduktionsfaktoren nach OVE E 8101 Teil 5-52.

Installation15 Min. Lesezeit
[ § 01 ] — Einleitung

Was sind Verlegearten?

Klassifikation der Verlegeumgebung einer Leitung.

Verlegearten beschreiben die physikalische Umgebung, in der eine Leitung verlegt ist — im wärmegedämmten Bauteil, in einem Rohr auf der Wand, direkt auf der Wand, in der Erde oder frei in Luft. Sie sind die Grundlage für die zulässige Strombelastbarkeit I_z und damit für die Wahl von Querschnitt und Absicherung.

Die Norm unterscheidet die Referenzverlegearten A, B, C, D, E, F und G (mit Untervarianten wie A1/A2/B1/B2).

[ § 02 ] — Zweck

Warum Verlegearten wichtig sind.

Wärmeabgabe entscheidet über die Belastbarkeit.

  • Jede Leitung erzeugt Verlustwärme (I²·R).
  • Wie schnell die Wärme abgeführt wird, hängt von der Umgebung ab.
  • In wärmegedämmter Wand: schlechte Kühlung → geringe Belastbarkeit.
  • Frei in Luft: sehr gute Kühlung → hohe Belastbarkeit.
  • Ohne korrekte Verlegeart kann die Leitung überhitzen — Brandgefahr.
[ § 03 ] — Normen

Rechtsgrundlagen.

OVE E 8101 Teil 5-52 und ergänzende Normen.

In Österreich regelt OVE E 8101 Teil 5-52 („Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel — Kabel- und Leitungsanlagen“) die Referenzverlegearten und die zugehörigen Belastbarkeitstabellen. Ergänzend gelten OVE E 8101 Teil 4-43 (Schutz bei Überstrom) und Teil 4-41 (Schutz gegen elektrischen Schlag).

[ § 04 ] — Übersicht

Referenzverlegearten A–G.

Übersichtstabelle der wichtigsten Varianten.

KürzelBeschreibungKühlung
A1Aderleitungen in wärmegedämmtem Rohr in wärmegedämmter WandSehr schlecht
A2Mehradrige Leitung in wärmegedämmter WandSchlecht
B1Aderleitungen in Rohr an oder auf der WandMittel
B2Mehradrige Leitung in Rohr an/auf WandMittel
CMehradrige Leitung direkt an/auf der WandGut
DMehradrige Leitung in der Erde (Rohr oder direkt)Mittel (Erdreich)
EMehradrige Leitung frei in Luft mit AbstandSehr gut
FEinzelader in Luft, berührend verlegtSehr gut
GEinzelader in Luft mit AbstandOptimal
[ § 05 ] — Art A

A1 / A2 – im wärmegedämmten Bauteil.

Ungünstigste Verlegeart wegen fehlender Kühlung.

  • A1: Aderleitungen (z. B. H07V-U) in Rohr in Dämmung.
  • A2: Mantelleitung (z. B. NYM) direkt in Dämmung / Hohlraum.
  • Typisch: Holzriegelbau, Trockenbauwand mit Steinwolle.
  • Belastbarkeit gegenüber Luft um 25–35 % reduziert.
  • Bei Wärmedämmverbundsystem: unbedingt Verlegeart A anwenden.
[ § 06 ] — Art B

B1 / B2 – im Rohr an/auf Wand.

Klassischer Fall für Leerrohr-Installationen.

  • B1: Einzeladern in Kunststoffrohr an oder auf Massivwand.
  • B2: Mehradrige Leitung in Rohr an/auf Massivwand.
  • Wärmeabgabe an Wand und Luft — mittlere Belastbarkeit.
  • Bei Häufung mehrerer Rohre nebeneinander: Häufungsfaktor beachten.
[ § 07 ] — Art C

C – direkt auf der Wand.

Aufputz-Verlegung ohne Rohr.

  • Mehradrige Leitung (z. B. NYM) direkt auf Mauer, Beton oder Metall.
  • Bessere Wärmeabgabe als B — höhere Belastbarkeit.
  • Typische Anwendung: Keller, Garage, Industriebereich.
  • Bei Bündelung mehrerer Leitungen: Häufungsfaktor anwenden.
[ § 08 ] — Art D

D – im Erdreich.

Erdkabel im Rohr oder direkt.

  • D1: Leitung in Rohr im Erdreich.
  • D2: Leitung direkt in Erde verlegt (sandumbettet).
  • Bezugstemperatur Boden 20 °C, spezifischer Wärmewiderstand 2,5 K·m/W.
  • Mindestverlegetiefe 60 cm (Verkehr) / 40 cm (Grünfläche).
  • Kabeltyp: NYY-J (nicht NYM!).
[ § 09 ] — Art E/F/G

E, F, G – frei in Luft.

Beste Wärmeabfuhr, höchste Belastbarkeit.

  • E: Mehradrige Leitung frei in Luft, Abstand ≥ 0,3 × Außendurchmesser zur Wand.
  • F: Einzeladern in Luft, berührend verlegt (Dreieck oder nebeneinander).
  • G: Einzeladern in Luft mit Abstand ≥ Aderdurchmesser.
  • Typisch für Kabelbahnen, Verteilerraum, Industriebereich.
[ § 10 ] — Belastbarkeit

I_z je Verlegeart (Kupfer, PVC, 30 °C).

Richtwerte für 3-adrige Belastung (L, N, PE), Kupfer, PVC.

QuerschnittA2 (A)B2 (A)C (A)E (A)
1,5 mm²14,516,519,522
2,5 mm²19,5232730
4 mm²26303640
6 mm²34384651
10 mm²46526370
16 mm²61698594
25 mm²8090112119

Werte gelten für Cu, PVC-Isolation, 30 °C Umgebung, 2 belastete Adern (bzw. 3 bei Drehstrom). Bei Häufung oder höherer Temperatur Reduktion anwenden.

[ § 11 ] — Häufung

Häufungsfaktor bei mehreren Kreisen.

Bei parallelen Kreisen sinkt die Belastbarkeit.

Anzahl KreiseFaktor f_h
11,00
20,80
30,70
40,65
50,60
60,57
7–90,54–0,50

Bezug: mehrere mehradrige Leitungen im selben Rohr oder in Berührung verlegt. Bei einzelner Verlegung mit Abstand entfällt der Häufungsfaktor.

[ § 12 ] — Temperatur

Temperaturfaktor.

Höhere Umgebungstemperatur reduziert die Belastbarkeit.

UmgebungstemperaturFaktor f_T (PVC 70 °C)
10 °C1,22
20 °C1,12
30 °C (Bezug)1,00
40 °C0,87
50 °C0,71
60 °C0,50
[ § 13 ] — Erde

Bodenbeschaffenheit und Verlegetiefe.

Bei Verlegeart D beeinflusst der Boden die Belastbarkeit.

FaktorWertReduktion
Wärmewiderstand 1,5 K·m/Wtrocken/sandig+10 %
Wärmewiderstand 2,5 K·m/WBezugswert1,00
Wärmewiderstand 3,0 K·m/Wfeucht/lehmig−7 %
Bodentemperatur 25 °CSommer−4 %
Verlegetiefe 100 cmtief−3 %
[ § 14 ] — Praxis

Praxis: Auswahl im Wohnbau.

Faustregeln für die häufigsten Fälle.

  • Massivwand, Leitung unter Putz einbetoniert: Verlegeart C oder B2.
  • Trockenbauwand mit Dämmung: Verlegeart A2.
  • Leerrohr in Betondecke: Verlegeart B2.
  • Kabelbahn im Verteilerraum: Verlegeart E.
  • Erdkabel zur Gartenhütte: Verlegeart D1 (Rohr im Boden).
[ § 15 ] — Rechenbeispiel

Rechenbeispiel: Steckdosenkreis 16 A.

Vom Nennstrom zur zulässigen Belastbarkeit.

Ausgangslage: Steckdosenkreis 16 A, Absicherung LS B 16 A, Kabel NYM-J 3 × 2,5 mm², Verlegung unter Putz in Massivwand (Verlegeart C), 30 °C, 3 Kreise im gemeinsamen Rohr.

I_z (Verlegeart C, 2,5 mm²) = 27 A
f_h (3 Kreise) = 0,70
f_T (30 °C) = 1,00
I_z,eff = 27 · 0,70 · 1,00 = 18,9 A
Absicherung: I_n = 16 A ≤ I_z,eff = 18,9 A ✓

Der Kreis ist zulässig — bei 4 Kreisen im gemeinsamen Rohr ergäbe sich I_z,eff = 27 · 0,65 = 17,55 A, noch immer > 16 A. Bei 5 Kreisen: 27 · 0,60 = 16,2 A → knapp, Reserve praktisch weg.

[ § 16 ] — Praxisfehler

Typische Fehler.

Was in der Praxis übersehen wird.

  • Verlegeart pauschal als C angenommen — bei Dämmung eigentlich A2.
  • Häufungsfaktor bei 4+ Kreisen im Rohr ignoriert.
  • Erdkabel als Verlegeart C berechnet — falsch, D verwenden.
  • Umgebungstemperatur im Dach/Serverraum (40–50 °C) nicht berücksichtigt.
  • Reduktion durch parallele Bündel im Kabelkanal übersehen.
  • Absicherung > I_z,eff gewählt — Leitung wird überlastet.
[ § 17 ] — FAQ

Häufige Fragen.

Antworten auf häufige Fragen zu Verlegearten.

  • Genormte Klassifikationen (A1, A2, B1, B2, C, D, E, F, G) dafür, wie eine Leitung im Bauteil verlegt ist. Sie bestimmen die zulässige Strombelastbarkeit und damit die Absicherung.

[ § 18 ] — LAP-Fragen

Typische LAP-Prüfungsfragen.

Fragen im Stil der Lehrabschlussprüfung.

Welche Norm regelt Verlegearten?

OVE E 8101 Teil 5-52.

Was bedeutet Verlegeart A2?

Mehradrige Leitung in wärmegedämmter Wand.

Welche Verlegeart hat die höchste Belastbarkeit?

G (Einzelader mit Abstand in Luft).

Welche Bezugstemperatur gilt für Luftverlegung?

30 °C.

Welche Bezugstemperatur gilt für Erdverlegung?

20 °C.

Ab wie vielen Kreisen ist Häufungsfaktor anzuwenden?

Ab 2 Kreisen in gemeinsamem Rohr oder in Berührung.

Welcher Häufungsfaktor bei 3 Kreisen?

0,70.

Welche Verlegeart für NYY-J im Erdreich?

D1 (im Rohr) oder D2 (direkt in Erde).

Wie hoch ist I_z bei 1,5 mm² Cu in Verlegeart C?

Ca. 19,5 A.

Was bewirkt Umgebungstemperatur 40 °C?

Reduktion auf ca. 0,87 der Bezugsbelastbarkeit (PVC 70 °C).

[ § 19 ] — Zusammenfassung

Das Wichtigste in Kürze.

Die zentralen Regeln zu Verlegearten.

  • Verlegeart = physikalische Umgebung der Leitung.
  • Rechtsgrundlage: OVE E 8101 Teil 5-52.
  • Sieben Referenzverlegearten A–G.
  • A = schlechteste Kühlung, G = beste Kühlung.
  • I_z hängt von Verlegeart, Querschnitt, Isolation und Temperatur ab.
  • Häufungsfaktor bei mehreren Kreisen zwingend.
  • Temperaturfaktor über 30 °C anwenden.
  • Erdverlegung immer als Verlegeart D rechnen.
  • Absicherung: I_n ≤ I_z,eff ≤ I_2 / 1,45.
[ § 20 ] — Kontakt

Fragen zum Thema?

Dieser Leitfaden ist Teil meines fachlichen Profils. Für einen persönlichen Austausch stehe ich gerne zur Verfügung.