[ § 10 ] — Elektro-Wissen · Thema

Erdungswiderstand R_A: Messung, Abschaltbedingung und Einflüsse.

8 Abschnitte · 3 Formeln · 2 Rechner

Der Erdungswiderstand R_A beschreibt, wie gut ein Erder den Fehlerstrom ins Erdreich ableitet. Besonders im TT-System hängt die Wirksamkeit des Fehlerschutzes direkt davon ab. Dieser Artikel erklärt Begriff, Messverfahren, die Abschaltbedingung R_A · I_Δn ≤ U_L und typische Einflussgrößen — als Lerninhalt, nicht als Prüfanleitung.

Abschnitt 01

Was ist der Erdungswiderstand?

Der Ausbreitungswiderstand eines Erders ist der Widerstand zwischen Erder und einer weit entfernten „Bezugserde“. Er wird vor allem vom spezifischen Erdwiderstand ρ_E des Bodens bestimmt, außerdem von Erderart, Länge und Verlegetiefe.

Im Sprachgebrauch wird R_A oft für den gesamten Widerstand von Anlagenerder und Schutzleiter bis zu den Körpern verwendet; der Leiteranteil ist meist klein gegenüber dem Erderanteil.

Abschnitt 02

Warum es auf R_A ankommt: die Abschaltbedingung im TT-System

Im TT-System fließt ein Körperschlussstrom über den Anlagenerder und das Erdreich zurück zum Betriebserder. Damit an berührbaren Teilen keine dauerhaft gefährliche Spannung bestehen bleibt, muss die Schutzeinrichtung rechtzeitig abschalten.

Bei Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen lautet die Bedingung R_A · I_Δn ≤ U_L. U_L ist die vereinbarte Grenze der dauernd zulässigen Berührungsspannung, für übliche Wechselspannungsanlagen 50 V.

Beispiel: Für I_Δn = 30 mA ergibt sich rechnerisch R_A ≤ 50 V / 0,03 A ≈ 1 667 Ω. Dieser Wert ist eine theoretische Obergrenze aus der Formel — kein Zielwert. In der Praxis wird ein deutlich niedrigerer, dauerhaft stabiler Erdungswiderstand angestrebt, und Netzbetreiber können in ihren technischen Anschlussbedingungen eigene Anforderungen stellen.

Abschnitt 03

Gibt es einen festen Grenzwert?

Nein, nicht einen einzigen. Welcher Wert ausreicht, hängt vom Netzsystem (TN, TT, IT), von der Schutzeinrichtung, der Anlagenart und den Vorgaben des Netzbetreibers ab. Im TN-System erfolgt der Fehlerschutz über die Schleifenimpedanz zum Sternpunkt, dort spielt der Anlagenerder eine andere Rolle.

Verbindlich sind OVE E 8101 und die jeweiligen Anschlussbedingungen. Werte aus Foren oder Tabellen ohne Bezug zum Netzsystem sind deshalb nicht übertragbar.

Abschnitt 04

Lernbeispiel: Messwert einordnen

Annahme: Einfamilienhaus im TT-System, RCD mit I_Δn = 30 mA, U_L = 50 V. Mit dem Strom-Spannungs-Verfahren werden R_A = 42 Ω gemessen (trockener Herbsttag).

Rechnerische Prüfung: R_A · I_Δn = 42 Ω · 0,03 A = 1,26 V ≤ 50 V — die Bedingung ist erfüllt. Ob der Wert für diese Anlage ausreicht, ergibt sich zusätzlich aus den Anschlussbedingungen des Netzbetreibers und der Beurteilung der Elektrofachkraft.

Ein Übungsprotokoll hält dazu fest: Datum und Witterung, Messverfahren, Messgerät, Messwert R_A, I_Δn der Schutzeinrichtung, berechnetes R_A · I_Δn und Bemerkungen. Ein solches Lernprotokoll ist kein Prüfbefund. Werte erfunden, nur zur Veranschaulichung.

Abschnitt 05

Messverfahren im Überblick

Für die eigentliche Erdungsmessung gibt es mehrere Verfahren; welches passt, hängt von der Anlage und der Zugänglichkeit ab:

Abschnitt 06

Was den Messwert beeinflusst

Bodenfeuchte und Temperatur ändern ρ_E stark — gefrorener oder ausgetrockneter Boden liefert deutlich höhere Werte. Ein Messwert gilt daher nur für die Bedingungen am Messtag.

Korrosion, gelöste Klemmverbindungen und zu kurze Erder lassen den Widerstand im Lauf der Zeit steigen. Deshalb gehört die Erdungsanlage zu den Punkten, die bei wiederkehrenden Prüfungen durch befugte Elektrofachkräfte beurteilt werden.

Abschnitt 07

Häufige Missverständnisse

Abschnitt 08

Fazit

R_A ist eine Schlüsselgröße für den Fehlerschutz, vor allem im TT-System. Die Abschaltbedingung R_A · I_Δn ≤ U_L erklärt den Zusammenhang; welcher Wert in einer konkreten Anlage gefordert ist, ergibt sich aus OVE E 8101, dem Netzsystem und den Vorgaben des Netzbetreibers.

[ § F ] — FAQ

Häufige Fragen.

Häufige Fragen zum Thema Erdungswiderstand R_A: Messung, Abschaltbedingung und Einflüsse.

  • Das hängt vom Netzsystem, der Schutzeinrichtung und den Anschlussbedingungen des Netzbetreibers ab. Im TT-System mit RCD gilt die Bedingung R_A · I_Δn ≤ U_L; daraus folgt eine rechnerische Obergrenze, die in der Praxis deutlich unterschritten werden sollte.