Woher Überspannungen kommen
Direkte oder nahe Blitzeinschläge koppeln sehr hohe Ströme in Gebäude und Leitungen ein. Fernere Einschläge und Schaltvorgänge im Netz erzeugen kleinere, aber häufigere Überspannungen. Ein SPD (Surge Protective Device) begrenzt diese transienten Spannungen auf einen für die Anlage verträglichen Wert.
Typ 1 — Blitzstromableiter
Typ 1 ist für Teilblitzströme ausgelegt und wird mit der Stoßstromwelle 10/350 µs geprüft (Kenngröße I_imp). Er kommt typischerweise am Gebäudeeintritt bzw. im Hauptverteiler zum Einsatz, besonders wenn ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist oder die Versorgung über Freileitung erfolgt.
Typ 2 — Überspannungsableiter für Verteiler
Typ 2 wird mit der Welle 8/20 µs geprüft (Kenngrößen I_n und I_max) und schützt die Installation gegen Überspannungen aus fernen Einschlägen und Schalthandlungen. Üblicher Einbauort sind Haupt- und Unterverteiler. Kombi-Ableiter Typ 1+2 vereinen beide Aufgaben in einem Gerät.
Typ 3 — Geräteschutz
Typ 3 begrenzt Restüberspannungen nahe am empfindlichen Endgerät, z. B. als Steckdosen-Adapter oder Einbaumodul. Er ist nur in Verbindung mit vorgeschaltetem Typ 2 sinnvoll und kann diesen nicht ersetzen.
Schutzpegel und Koordination
Der Schutzpegel U_p gibt an, auf welchen Wert ein SPD die Spannung begrenzt. Er muss unter der Stehstoßspannung der zu schützenden Betriebsmittel liegen. Die Typen müssen energetisch koordiniert sein, damit jede Stufe den passenden Anteil übernimmt — der Hersteller gibt an, welche Geräte zusammenpassen.
Die Anschlussleitungen eines SPD sollen möglichst kurz sein, weil jede Leitungsinduktivität bei steilen Stoßströmen eine zusätzliche Spannung erzeugt, die zum Schutzpegel hinzukommt.
Wann ist Überspannungsschutz gefordert?
Ob und welcher Überspannungsschutz erforderlich ist, ergibt sich aus OVE E 8101 sowie, bei Gebäuden mit Blitzschutz, aus der Blitzschutznormenreihe ÖVE/ÖNORM EN 62305 mit ihrer Risikobewertung. Eine pauschale Aussage für jedes Gebäude ist daher nicht möglich.
Häufige Missverständnisse
Fazit
Typ 1, 2 und 3 bilden ein gestuftes Schutzkonzept vom Gebäudeeintritt bis zum Endgerät. Entscheidend sind passender Typ, koordinierter Schutzpegel, kurze Anschlussleitungen und der Potenzialausgleich.